Möwenbotschaft

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Als ich beginne, das Titelbild für mein zweites Buch zu malen, frage ich mich, wer von den Naturbuddhas unbedingt gemalt werden will. Der Pelikan raunt eine Stimme aus meinem Inneren.

Dieses urzeitlich anmutende Geschöpf ist so erhaben und prächtig, dass er mich jedes Mal staunen lässt, wenn er elegant über die Wasseroberfläche gleitet. Ich suche in meinen Fotos und erinnere mich an jenen sonnigen Nachmittag an der Küste von Valparaiso, wo sich Seebären an der Mole räkeln. Direkt neben dem Pelikan sitzen Dominikanermöwen.

Ich male beide und beginne, über die Möwe nachzudenken. Es gibt noch keine Geschichte zu ihr, und tatsächlich erfüllt mich jedes Mal tiefe Freude, wenn ich am Meer ankomme und ihr lautes Geschrei höre.

Einige Tage später fällt mir ein, dass der Sektor, wo ich gerade lebe, „Las Gaviotas“ – „Die Möwen“ – heißt und täglich höre ich einen Schwarm Möwen laut kreischend gen Pazifik fliegen. Wieder einmal staune ich darüber, wie meine Seele die Themen auf ihre innere Leinwand zaubert.

Das Gefühl des Angekommen seins an einem Ort, der mich als Seelen-Wasserwesen empfängt. Der Ozean – eine große Gebärmutter. Meine Tränen sind salzig, und mein Körper besteht zu über 70 Prozent Wasser.

Möwen filtern das Salz aus dem Meerwasser, das sie trinken. Sie passen sich den Bedingungen von Ebbe und Flut mühelos an und suchen bei Ebbe nach Nahrung, weil es vorteilhafter ist, den Rhythmus der Gezeiten zu nutzen.

Zugleich sind es Wesen des Windes. Durch ihre Schwimmfüße gehören sie dem Wasser an, am Strand suchen sie nach Nahrung, und überhaupt passen sie sich den Gegebenheiten des Lebens schnell und selbstverständlich an.

Die salzige Luft, der goldene Sand, die Klippen und das Geräusch der Wellen, die sich an den Felsen brechen – dieses unglaublich berauschende Naturkonzert, verbunden mit dem Möwengeschrei, liegt jenseits dessen, was Worte, diese engen menschlichen Klanggefäße, je beschreiben könnten.

Im Geiste verbinde ich mich mit ihr, folge ihrem eleganten Segelflug und lausche ihren Rufen. Ich tauche in das Möwensein ein. Aus meinem Inneren spricht der Geist der Möwe:

Der Klang meines Geschreis schwingt in deinen Zellen und durchbricht jeden Gedankenstrom. Ein archaisches, zeitloses Gefühl – ein Seelenruf.

Eine tiefe Assoziation von Freiheit ergreift dich. Dein Blick verliert sich in der unendlichen blauen Weite des Ozeans und fliegt mit mir hinaus in die Lüfte.

Meine Möwenbotschaft ist genau diese: absolute geistige Freiheit.

Die Fähigkeit, sich in jedem Augenblick mit deinem Geist in die Lüfte zu erheben – jenseits deines Leibes, jenseits aller scheinbaren weltlichen Begrenzungen. Es gibt kaum eine größere Gabe.

Eine Erfahrung der Transzendenz: durch die Leinwand hindurchschauen, dich über die Kulisse erheben und dich als das zu erkennen, was du in Wahrheit bist – ewig, unendlich und frei.

Deine Möwe

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