Sobald sich ein paar warme Strahlen zeigen, lässt sich Margarete mit einer Tasse Tee in einer sonnendurchfluteten Wiese nieder und versenkt sich in die Schönheit der Blütenwesen.
Dieser Sommer ist so verregnet und wechselhaft, dass sie jeden Moment draußen in vollen Zügen genießt. Mit großer Faszination betrachtet sie die Honigbienen beim Sammeln von Blütenpollen, die Bienen umschwirren sie in letzter Zeit.
Beim Aufräumen findet Margarete eine halbfertige Bienenzeichnung, vollendet diese. Sie vertieft sich in die Zeichnung und fühlt, dass die Honigbiene ihr eine Botschaft senden möchte.
Die Mythologie des Bienenvolkes ist reichhaltig, sie wurde in vielen Kulturen hoch verehrt. Der Mythos, dass die Biene aus einer Träne von Helios geboren wird, die sanft auf die Erde fällt, gefällt ihr sehr. Sie schreibt den Satz sofort auf und ergänzt: und die golden schimmernde Träne schenkt der Honigbiene zugleich viele Seelenschwestern, die Blütenwesen.
Heute hat sich eine Biene auf Margaretes Hand niedergelassen. Der Bienengeist möchte sich mitteilen. Sie nimmt eine sanfte Präsenz wahr, und vor ihrem inneren Auge erscheint eine kleine Honigbiene. Ihre Flügel glitzern wie feinstes Gold im Sonnenlicht, und ihre Augen strahlen voller Weisheit und Liebe.
Margarete begegnet Amrita
Margarete fühlt honigsüße Schwingungen in ihrem Herzzentrum. „Ich bin Amrita. Tauche mit mir in die heilige Geometrie unserer sechseckigen Wabe ein.“
Sie ist beeindruckt, dass die Biene keine Zeit verliert, sondern direkt auf den Punkt kommt.
Margarete hat sich mit der Symbolik der Biene in der hinduistischen Philosophie beschäftigt. Sie ist Ausdruck des göttlichen Willens, der Schöpfungskraft und die Erinnerung an ein vernetztes Leben im Einklang mit der gesamten Natur. Margarete fragt sich, wann die Menschheit diese Tatsache, dass ALLes miteinander verbunden ist in ihr Alltagsbewusstsein integriert und wird schlagartig demütig, wenn sie an ihren eigenen langen und schmerzvollen Weg denkt.
An die vielen Jahre, in denen sie ihrem Gefährt, dem Körper nicht die Aufmerksamkeit zollte, die ihm gebührt. Dieser Leib ist wie die Bienenwabe Abbild der Schöpfung selbst, ihr Universum, in dem sie regiert, zumindest seitdem die Gedanken, die Herrschaft in ihrem Kopf verloren haben. Dieser Leib birgt alle Weisheit der Quelle in sich.
Lehrstunden mit einer Honigbiene
Amrita summt und Margarete hört ihre sanfte Stimme: „Die universelle Intelligenz spiegelt sich unseren Waben, das harmonische Gleichgewicht zwischen oben und unten, innen und außen, zwischen Himmel und Erde, Körper und Geist.“
Margarete hatte sich die ganze Zeit gefragt, welche Weisheit die Biene ihr offenbaren möchte: Yoga, das Verschmelzen von Körper und Geist – oben und unten – zum einen Bewusstsein.
Babaji schickt seine Boten
Margarete staunt. Vor vier Wochen hat sie durch ein Buch eine Botschaft von Babaji erhalten, ist dem Herzensruf gefolgt und erhielt nochmals eine Einweihung in Kriya Yoga. Ihre geistige Ausrichtung ist seither von diamantener Klarheit, und sie fühlt jetzt, wie bedeutsam ihr seelisches Fahrzeug, ihr Körper und die Atmung ist. Seither ist ihr bewusst, dass die Atemübungen ein Werkzeug sind, um Bewusstsein auf zellulärer Ebene zu reaktivieren.
Der Nektar der Medula oblongata
„Die Sonnenspeise Honig – Ambrosia – ist wahrlich eine Lichtspeise“, flüstert Amrita, „und ihr Menschenwesen könnt ähnliches.“ Wir Bienen sammeln Pollen aus den Blüten und verwandeln ihn in Honig, fortgeschrittene Yogis können aus der Medulla oblongata einen inneren Nektar herstellen“.
Margarete lächelt Amrita an, als sich ihr diese wundervolle Analogie zwischen Biene und Mensch offenbart: ein feinstoffliches Ambrosia, welches die Nahrungsaufnahme ersetzt. Margarete forscht über die Medula oblongata, sie wird als ‚Mund Gottes‘ oder das ‚Tor des Lebens‘ bezeichnet und kann durch yogische Atem- und Visualisierungsübungen aktiviert werden. Ein fortgeschrittener Yogi kann aus dem Mund Gottes Nektar schöpfen. Der Körper – Gleichnis der Schöpfung – Margarete ist wieder einmal sprachlos und staunt über Amrita und die Offenbarungen.
„Der Mensch ist und lebt von Licht und Liebe“, summt Amrita, die weise Honigbiene und ihr Flügelschlag lässt Margaretes Herz honigsüß vibrieren.
