Fernando Rioja, Sara Ruiz & der Ceibo

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Ein Märchen als Hommage an einen Ceibo und den Palacio Rioja – eine historische sehr prunkvolle Villa im Herzen von Viña del Mar.

Es war einmal ein sehr wohlhabender Mann, namens Fernando Rioja Medel. Im luftigen Zeichen des Zwillings geboren, dessen Regent der geflügelte Merkur ist: Symbol für Austausch, Kommunikation, Handel und Merkur gilt in alten Überlieferungen auch als Psychopompos, ein Seelenbegleiter an Schwellen, in Übergängen zwischen Erinnern und Vergessen. Ein Mittler zwischen den Welten, wie der heilige Ceibo, der uns später begegnen wird.

Nachdem sein Haus in Valparaíso einem Erdbeben zum Opfer gefallen war, erinnerte Fernando sich an einen Traum seiner Kindheit: er sah sich glücklich in einem palastartigen Palmenhaus, spazierte durch einen Park voller blühender und grüner Preziosen aus aller Welt. Er sah sich einen besonderen Baum pflanzen, dessen Stamm sehr ausladend war. Seinerzeit kannte Fernando mich, den Ceibo noch nicht.

Die Wirkung des Erdbebens

Das Erdbeben hatte Fernandos Leben und das seiner Familie auch innerlich erschüttert und eine Tür geöffnet für die großen Fragen des Lebens. Er erzählte seiner Gefährtin, Doña Sara Ruiz, von seinen Visionen und erwähnte auch den Baum aus seinem Traum, den er unbedingt pflanzen wollte. Sara war eine sehr gebildete Literatur begeisterte Dame, deren Vorfahren einst dem Land der gewaltigen Anden, Bolivien, kamen. Sie liebte Gärten und sah sie ihre acht Kinder schon durch den Park laufen als Fernando von seiner Vision erzählte. Sara dachte kurz nach und musste schmunzeln als Fernando sich bemühte, den Baum aus seinem Traum zu beschreiben.

Saras und der grüne Gruß aus ihrer Heimat

Sie wusste sofort, welchen Baum Fernando meinte: „Ein Ceibo“, rief sie aufgeregt, „in vielen Kulturen gilt er als heiliger Baum, als Sinnbild einer Weltenachse – ein Baum meiner Heimat.“ Sara fühlte sich plötzlich sehr glücklich über Fernandos Wunsch. Sara wurde an Bolivien erinnert und auch in ihr regte sich eine Sehnsucht, zu ihren Wurzeln zurückzukehren. Sara bereitete innerhalb weniger Tage die Reise vor, nahm ihre Töchter mit und versprach einen Ceibo-Setzling für ihren Park mitzubringen.

Erinnerungen überfluten Fernando

Kaum war Sara mit den Kindern in der Kutsche abgereist, ergriff Fernando eine tiefe Nostalgie. Er sah sich als Neunzehnjähriger das Schiff in Richtung Buenos Aires besteigen, welches nur so barst vor Aufbruchsenergie der Passagiere, die vom Reichtum der Neuen Welt träumten.

Für ihn war es mehr ein Abenteuer – es war eine Reise in die Tiefen seiner Seele – nur damals hätte er das nie in Worte kleiden können. Was ihn antrieb, war dieser Traum, den er einst als Kind hatte. Das erkannte er jetzt.

Er erinnerte sich an das Gefühl als er in Buenos Aires landete. Ihm war sofort klar, dass er weiter nach Valparaíso musste. Er konnte sich schon immer auf seine innere Stimme verlassen, auf diese hörte er immer. Es vergingen Jahrzehnte, in denen er vom Glück gesegnet war. All seine Unternehmungen florierten prächtig und sein Reichtum stieg ins Unermessliche.

Der Wendepunkt

Bis das schwere Erdbeben seine Wohnstatt zusammenbrechen ließ. Und jetzt, als er daran dachte, war er paradoxerweise für dieses Ereignis dankbar. Es war ein Wendepunkt in seinem Leben, um sich zu besinnen. Alle waren am Leben und wohlauf, nunmehr war es bedeutsam sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

Tief in seiner Seele war er ein Naturliebhaber, der alles Grün in seiner unermeßlichen Pracht verehrte. Genau diesen Anteil hatte Mutter Natur durch ihr Erdbeben – ihr Unwohlsein in seiner Seele freigelegt.

Fernando sah in kristallener Klarheit, dass er diesen Moment dringlich gebraucht hatte: „Wenn alles zusammenbricht, dann erinnert man sich an die bedeutsamen Dinge im Leben, das, was das eigene Leben überdauert: einen Baum pflanzen!“

Sara kehrte nach einigen Wochen glücklich und erfüllt mit vielen Eindrücken aus Bolivien zurück. Sie hatte mich – den Ceibo im Gepäck – und auch sie war zutiefst dankbar für diese Reise, die sie zurück gebracht hatte – zu sich selbst.

Ein wahrer BaumeisterAlfredo Azancot

Fernando hatte inzwischen den bedeutenden Architekten, Alfredo Azancot engagiert, um seinen Märchenpalast in der Stadt der Weinberge am Pazifik zu planen.

Dieser portugisiesche Baumeister, der in Frankreich studiert hatte, konnte den Seelenwunsch des Patriziers wahrnehmen und begann mit der Zeichnung des Herzstückes: Dem Palmarium – ein besonderes Ambiente für literarisch-künstlerische Zusammenkünfte, die Sara so liebte.

Der heilige Ceibo wird gepflanzt

Und dann war es soweit. Er schenkte mir, dem Ceibo einen Platz nah seines Palastes. Dazu rief er seine Familie zusammen, um die Erde zu ehren, die für mich eine Wohnstatt werden würde. Fernando hatte in der Nacht zuvor das Gefühl gehabt, als habe der Ort zu ihm gesprochen.

Seelenbotschaften für dich

Nun fragst du dich vielleicht, liebe Seele, was für eine Botschaft mag das gewesen sein….

Vielleicht kannst du dir vorstellen unter meiner ausladenden Krone,
an diesem Ort, den viele als besonders empfinden, zu verweilen.

Und vielleicht zeigt sich etwas nicht sofort,
sondern Tage oder Wochen später – denn alles hat sein eigenes Maß an Zeit,

Habe Geduld und lausche.

Kehre zu mir zurück so oft du magst und atme mit mir – im Geist oder in physischer Präsenz.

Vielleicht verbindest du dich
mit der Bewegung meiner Krone im Wind
und lässt deinen Blick nach oben wandern,
in den offenen Raum über dir.

Der Ceibo
axis mundi –
Weltenachse.


Als Sinnbild für Verbindung: Die Krone – als Bild für Geist und Weite.

Der Stamm – die Mitte, der Körper – das gelebte Leben.

Die Wurzeln – Erinnerung, Herkunft,
die verborgenen Kammern des Vergessenen

Vielleicht erinnert dich dieses Bild daran,
dass dein Bewusstsein die Weltenachse ist.

Vielleicht kannst du etwas davon spüren,
wenn du deine Aufmerksamkeit nach innen lenkst –
in die Verästelungen deiner Lunge,
die in ihrer Form
an eine Baumkrone erinnert.
Oder du stellst dir vor,
wie du dich mit einem inneren Wurzelwerk verbindest
und langsam tiefer sinkst
in dein eigenes Sein.

Und, wenn du meiner Wurzel-Botschaft lauschst, könnte sie vielleicht so klingen: Dass Erinnerungen, die einst schwer waren, können durch tiefes Annehmen zum Seelenkompost werden.

Wie Grafit, der unter höchstem Druck zum Diamant werden kann.
Vielleicht schimmert jetzt etwas in deinem Inneren…

Und, wenn wir Wesen nicht gestorben sind, dann leben wir ewig und immerdar.

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