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Ava trifft ein Menschenwesen, das sich in die Mitte seines Lebens stellen möchte

Ich bin mit meiner Seelengefährtin in Berlin unterwegs, für uns Landeier aus Mecklenburg ist das mittlerweile ein Großereignis. Millionen von Gerüchen und Eindrücken auf engstem Raum, für meine empfindsame Hundenase ein Tsunami in jeder Hinsicht. Ich mag kaum vorwärts laufen, weil ständig irgendwo etwas unglaublich Tolles, noch nie gerochenes zu erschnuffeln ist.
Meine Zweibeinerin ist leicht von mir genervt, bis sie bemerkt, dass es ihr auch so geht. Die Augen sind dauernd am Schauen, die vielen Sinnesreize, Geschäfte, Automobile und gehetzten Menschenmassen purzeln in uns hinein. Sie ist völlig begeistert von der majestätischen Architektur in Berlin Mitte, den wunderschönen Geschäften, Kirchen und all den kulinarischen Verführungsangeboten, aber auch erschöpft von diesem Trubel.
Schlussendlich möchten wir nur noch in eine Hütte fliehen und uns ausruhen vom Konsum anregenden Rausch und all den Gerüchen. Kauf mich, rufen all die Dinge, komm in mein Geschäft, nimm mich mit, genieße hier einen Kaffee, Du hast Appetit auf…, es ist absolut überwältigend und eine wunderbare Abwechslung zum Dorfleben, dennoch träume ich eher vom Strand als von  einer Stadtwüste.

Sie trifft sich mit einem ehemaligen Kommilitonen, der mit seiner Gefährtin und drei Kindern im Herzen der einst geteilten Stadt lebt, direkt an der ehemaligen Mauer, die es nicht mehr gibt, hinter Doppelverglasung mit Luftfiltern, so dass er die Fenster seiner Menschenhütte gar nicht öffnen muss.

Luxus Stadtleben? Er und seine Liebste arbeiten an unterschiedlichen Orten, damit sie ihren Kindern, wie er sagt, viel bieten und diesen Lebensstandard halten können. Ich erinnere mich an unsere Frankfurter Zeit. Stadt ist Verführung pur. Lange hatte meine Gefährtin das Gefühl, dass es schön ist mittendrin zu leben. Aber – alles hat seine Zeit. Wir beide spüren den Stress der Menschen, die auf engstem Raum dicht an dicht leben. So viele Schicksale.

Er ist müde, sagt er, er brauche eine Pause und bei viel Anspannung spüre er sein Herz. Meine Zweibeinerin atmet aus, sie bemerkt den Stresspegel hinter den Worten und seine tiefe Erschöpfung. Ich räuspere mich und stupse ihn mit meiner Nase an.
Aha, meint sie, all das für Deine Kinder?
Er schaut sie an und hält inne.
Meine Zweibeinerin erzählt von ihrem kürzlichen Ausflug in die Notaufnahme. Sie hatte das Gefühl ihr Herz hüpft aus der Brust. Diese Inszenierung war nützlich, sagt sie, irgendwie kommt man runter, wenn man an Schläuchen hängt und die Tests gemacht werden. Nach stundenlangem Warten kommt die Kardiologin mit den Ergebnissen. Alles soweit gut, die Weisskittelträgerin rät dazu, dass mein Menschenwesen ihre Tätigkeit und ihre Wohnsituation überdenkt.
In diesen Momenten, wenn „ALLes“ – oder zumindest das äußere Gerüst ihres Lebens zusammenbricht, wird uns erst bewusst, wie zerbrechlich das ganze Lebenskonstrukt ist und was wirklich bedeutsam ist am Ende des Tages.

Ich räuspere mich laut und huste. Ja, bemerkt sie, Ava ist mein Fieberthermometer, wenn ich durch bin, zeigt sie mir das. Ihr Freund nimmt das wahr. Seine Kinder wünschen sich einen Hund.
Meine Begleiterin muss eine Pause einlegen, innehalten und sich neu ausrichten. Juhu, denke ich, endlich wieder mehr Zeit für Spiel und Spaß. Ach, wir Hunde haben es drauf, das mit der Lebensgestaltung. Immer das Wesentliche im Fokus. Schlafen, spielen, fressen.
So lang wie möglich, rät ihre Ärztin und sie freut sich… endlich Zeit mein Buch ganz in Ruhe fertigzustellen. Ja, und mehr Streicheleinheiten für mich, definitiv.

Es ist eine Wiederholung, Ihr Menschen lernt wirklich, so wie wir Vierbeiner, durch beständige Wiederholung. Das ist das Hunde- und Menschenleben zwischen Essen und Schlafen, Freude und Leid, Spielen und Schlafen.
Ihr Freund hört aufmerksam zu und sagt: Na ja, vielleicht ist es Zeit, dass ich mich in die Mitte meines Lebens stelle!
Das hört sich sehr gut an, bemerkt meine Seelengefährtin, ein wirklich hervorragender Gedanke!

Heute ist Wintersonnenwende, der dunkelste Tag des Jahres, an dem das LICHT wieder geboren wird, menschlich-mythologisch gesprochen. Beschäftige Dich mit der Vergänglichkeit und Sterblichkeit Deines Menschseins und all Deiner Bemühungen nach WOHLergehen für Deine Lieben, wenn dabei Dein Herz auf der Strecken bleibt, dann wünsche ich Dir: Möge das LICHT Deines Bewusstseins in Dir  scheinen,
Dich zu erleuchten, dass DU Deinen Liebsten wichtiger bist, als jeder Lebensstandard.
Erkenne, wie kostbar und einzigartig Dein LEBEN doch ist.

In Liebe, AVA

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Ein Kommentar

  1. Monika Kluge

    Wunderschön, wie immer

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