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Federica – ausgebrannt und neugeboren

Ich bin eine 17jährige Argentinierin, die über den Atlantik auf wankenden Planken nach Italien reist. Aufgrund meines sportlichen Talentes habe ich eine Karriere als Westernpferd in vielen Ländern Europas hingelegt, bis mich ein Fesselträgerschaden auf das Abstellgleis befördert.

Über den Kummer und die mangelnde Zuwendung der Zweibeiner bin ich innerlich zusammengebrochen.  Ich reagiere auf fast alles allergisch, was fliegt und wächst. Man nennt das auch Anpassungsstörung, manch ein Zweibeiner kennt das. In einer Welt aus Leistungs- und Machtstreben bleibt vieles auf der Strecke und ein Systemabsturz verhilft unter Umständen zu einem neuen Leben.

In Menschensprache bin ich ein Ekzemerpferd: mein Anblick rührt im Sommer zu Tränen und öffnet dadurch einen Kanal zu anderen verletzten Zweibeinerseelen. Mein Knickohr ist zu meinem Markenzeichen geworden.

Sämtliche Versuche mich zu heilen, schlagen bisher fehl, denn alle wollen nur eins: ich soll wieder funktionieren, etwas leisten. Pferde sind doch zum Reiten da, denken viele Zweibeiner, die glauben nur durch ihre Arbeit etwas wert zu sein. Ich werde verkauft.

Mein desaströser Zustand bringt mich in die Mecklenburgische Schweiz. Diesmal ist es ein Chilene, der alte und kranke Criollos retten möchte. Sein Gestüt soll „La Ultima“ (die Letzte) heißen. Hier in Mecklenburg gibt es das berühmte Criollogestüt „La Primera“ (die Erste), das bringt ihn auf die Idee.

Er ist sehr stolz und für ihn bin ich ein Stück Südamerika. Ich kann es nicht glauben, dass ich endlich ankommen darf und nichts mehr leisten muss. Über die Jahre habe ich zwischen mir und den Zweibeinern eine undruchdringliche Mauer aufgebaut. Seine Zweibeinerfreundin geht mit mir spazieren. Ich kann es nicht glauben, dass mir so was wiederfährt, einfach da sein dürfen und geliebt werden. Ich wiehere jetzt mal glücklich.

Diese Zweibeinerliebe wird mich heilen, schlussendlich – ihre Zuwendung und ihre Anspruchslosigkeit. Streicheln, spazierengehen, einfach sein dürfen.

Manchmal singt er mir ein Lied in meiner Heimatsprache und spielt Harfe für mich. Es ist nicht leicht für meinen Zweibeiner, denn irgendwie rührt mein Zustand seine Seele an. Natürlich zweifelt er auch an seiner Entscheidung, wenn er mein Leid sieht. Es ist eben ein Weg diese Verletzlichkeit anzunehmen, die ich bei Zweibeinern auslöse. Ich habe die Gabe in ihre Seele zu blicken und berühre sie dort.

Ich bin ein Star an der Limesschlossklinik, viele nennen meinen Namen und ihr Zweibeinerherz frohlockt.  Mein Vierhufersein wirkt heilsam auf diese verletzten Seelen. Ich bin „ein Engel auf vier Hufen“.

Zudem habe ich die Liebe meines Stutenlebens getroffen: Paco. Er wird sich an anderer Stelle zu Wort melden.

Ich verabschiede mich mit einem liebevollen Blick von Euch.

Federica (die erste Criollostute) vom Gestüt „La Ultima“

 

 

Published inburn outDepressionLebenskriseTierkommunikation

Ein Kommentar

  1. Monika Kluge

    Liebe Iris, wie immer wunderbar ausgedrückt, alles Liebe Monika

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