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Liebe Deinen Nächsten

Liebe Deine Nächsten, wie dich selbst

laut Martin Buber, Dr. Andreas Schüler kann dieses Gebot auch so übersetzt werden:

 Liebe Deinen Nächsten, denn er ist wie Du!

Möge der geneigte Leser für ein paar Momente in sich hinein lauschen, die inneren Ohren hören lassen.

Wie fühlen sich beide Sätze für Sie an?

Für mich klingt die zweite Version von Martin Buber anders, sie öffnet eine Tür in mir. Bei der ersten Version, könnte ich daran scheitern, dass ich mich noch nicht wirklich selbst liebe und annehme. Folglich auch nicht den anderen.

Und: Was ist Liebe überhaupt?

Ich spüre eine innerliche Hürde.

Jeder der tagtäglich mit sich selbst konfrontiert wird, weiß, welche Herausforderung darin liegt, bei sich zu bleiben und erst einmal die mögliche „Gleichheit“ der inneren Themen anzuerkennen, die sich im eigenen Umfeld spiegeln.

Dieses Beispiel möge Ihnen als Verdeutlichung dienen: Mir ist dieser Tage wieder eine ganz bekannte Situation präsentiert worden. Oft in meinem Leben habe ich anderen Türen geöffnet, Wege geebnet und wurde danach mit Nichtachtung und Ignoranz bedacht. Der Motor für meine Handlungen ist mein Wunsch anerkannt, „gesehen“, geliebt und gelobt zu werden. Das Muster ist mir sehr bekannt und bewusst. Trotzdem wirft mich das Erlebnis einer erneuten Wiederholung in eine solche Wut und Enttäuschung, die mich schier überwältigt. Die Täuschung, der ich selbst immer wieder unterliege, indem ich doch etwas zurück erwarte.

Ich spüre die Wut, die sich meiner bemächtigen will.

In dem Moment habe ich mich dann zuerst einmal vom Geschehen entfernt. Meine innere Wut gleicht eher einem Vulkan, auf dessen Öffnung ich bildlich sitze. Ich versuche innerlich ein stimmiges Wort für meinen Zustand zu finden, ohne dauernd wieder den inneren, leidvollen Film abzuspulen. Damit meine ich den unfruchtbaren, inneren Dialog aus Ablehnung und Kritik, der sich meiner bemächtigen will.

Ich verehre Pema Chöndrön, eine buddhistische Nonne, aus deren Werke ich lerne, mich in der Situation auf meinen Atem zu konzentrieren, und das Thema in ein Wort zu kleiden.

In diesem Fall atmete ich Engherzigkeit ein und Großherzigkeit aus.

Nur, sobald ich damit aufhöre, kommen die Emotionen zurück. Ich kann den inneren Prozess damit erst einmal regulieren, dennoch tobt die Verletzung weiter.

Pema schreibt dazu in ihrem Werk: „Wenn alles zusammenbricht“

Dieser Zustand unter Druck ist genau der Punkt in (…) unserem Leben, wo wir wirklich etwas lernen können. Der Ort, wo wir keine Wahl mehr haben, wo wir mit dem Rücken zur Wand stehen, gefangen zwischen unseren hohen Idealen und dem unverhüllten Anblick dessen, was sich vor unseren Augen abspielt – das ist in der Tat ein äußerst furchtbarer Ort. Wenn wir uns unter Druck fühlen, hat der Geist die Tendenz, kleinlich zu werden. Wir fühlen uns elend, als Opfer, als trauriger, hoffnungsloser Fall. Ob Sie es nun glauben oder nicht: In einem solchen Augenblick des Ärgers, der Verstörung oder Verlegenheit kann unser Geist auch größer werden. (S. 168)

Also, zurück zu einer sehr kraftvollen Übung von der Oneness University:

Bleibe mit dem, was ist.

Wut!

Ich spüre die Wut und atme minutenlang weiter. Dann irgendwann spüre ich Schmerz, Verletzung, und so lange ich weiter in mich hinein atme und spüre, kommen Bilder aus der Kindheit. Ich sehe mich in meiner Verletztheit und nehme mich so an, wie ich bin und kann endlich weinen.

Dieser Prozess läuft bei jedem anders ab und kann unterschiedlich lange dauern.

Für mich ist das eine sehr kraftvolle Übung, die ich seit 2009 praktiziere: wirklich bei dem zu bleiben, was in mir ist, was ich fühle und weiter zu atmen, und mir zulächeln, wenn es mir nicht gleich gelingt!

Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst…

Meiner Ansicht nach wirkt dieses höchste Gebot von Jesus auf viele in meinem Umfeld unbewusst wie eine Massenhypnose. Der Wille unbedingt gut und freundlich zu sein und eine Erziehung, die auf das äußere Verhalten mehr Gewicht legt als auf innere Spüren, produziert jede Menge Symptome, weil ich es nicht gelernt habe oder verlernt habe, mir selbst gegenüber ehrlich zu sein und dabei zu bleiben.

Damit meine ich nicht alles auszuleben, was an Emotionen in mir verborgen ist, das führt nur zu einem Kräfteabschlag mit meinen Mitmenschen, der tiefe Wunden bei beiden hinterlässt. Ich meine damit den Versuch zu unternehmen, mein Augenmerk vom anderen weg auf mich zu lenken – „denn er ist wie ich“.

Das Gesetz der Polarität wirkt auch hier: Freund und Feind leben sich eine innige Anziehung bis ich das Prinzip entdecke, das der andere für mich verkörpert. Dieser erste Schritt und viel Übung und Disziplin diese Form der Kommunikation zu erlernen, sind Bausteine für ein friedvolleres Leben.

Hier möchte ich noch einmal Pema Chöndrön aus dem gleichen Buch zitieren: Der einzige Grund, warum wir unser Herz und unseren Geist anderen Menschen nicht öffnen, ist die Tatsache, dass sie Verwirrung in uns auslösen und wir uns nicht für mutig oder gesund genug halten, damit umgehen zu können… Je mehr wir uns im Umgang mit anderen beobachten, umso schneller entdecken wir, wo wir selbst blockiert sind, wo wir unfreundlich, ängstlich und verschlossen sind. Es ist hilfreich, sich dieser Entdeckung zu stellen, aber es tut auch weh. (S. 116ff)

Ich erlebe weiterhin Resonanz auf alte Wunden, aber ich entwickele mehr Kraft und Zuversicht, die mich das Geschehen aus einem inneren Abstand heraus erfahren lässt.

Hier möchte ich allen Lesern die Oneness Meditationen ans Herz legen, die kostenlos im Internet verfügbar sind: www.onewithlife.se/omevents

Diese täglichen Meditationen stärken mein Gefühl für Einheit und helfen mir die schmerzvollen Prozesse anders zu durchleben. Vielleicht sind auch diese für Sie hilfreich.

Dass ich den Fokus bei mir und meinen Themen lassen kann und nach einer Woche meine Geburtshelfer (altes Wort: Feinde) ehren kann, ist für mich ein wirkliches Wunder. Die Wahrheit ist, dass das Lernen nie aufhört und es immer wieder Rückfälle gibt, doch ich erkenne diese Wiederholungen und der Schmerz löst sich dank meiner Übungen schneller auf.

In der Hoffnung und dem Wunsch, dass meine Zeilen inspirieren und Ihnen auf Ihrem Lebensweg weiterhelfen, grüße ich ganz herzlich

Cordis Sophia

Published inBewusstseinLebenskunstSelbsterkenntnis

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